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Förderstrombehandlung von Getreide mit Deltamethrin – Wirkung, Grenzen und Vorratsschutz

Tim Szemjonneck
5. Okt.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Professioneller Vorratsschutz beginnt nicht beim Wirkstoff, sondern bei der Befallsanalyse. Die Förderstrombehandlung von Getreide kann ein sinnvoller Baustein sein, wenn ein zugelassenes Präparat fachgerecht in einen laufenden Warenstrom eingebracht wird. Entscheidend sind jedoch die richtige Indikation, eine technisch kontrollierte Durchführung, die Einhaltung der Zulassung und die anschließende Erfolgskontrolle.

Sie möchten eine Behandlung für Ihren Betrieb prüfen? Unsere Leistung Förderstrombehandlung Getreide erläutert Vorgehen, Eignungsprüfung, Monitoring und die Kontaktmöglichkeiten bei PGS.


Was bedeutet Förderstrombehandlung?


Bei einer Förderstrombehandlung wird ein zugelassenes Vorratsschutzmittel während des Umschlags oder der Einlagerung auf das bewegte Getreide aufgebracht. Ziel ist eine möglichst gleichmäßige Behandlung der Kornoberflächen. Das Verfahren unterscheidet sich grundsätzlich von einer Begasung oder Raumbehandlung und ist immer in ein Gesamtkonzept des Vorratsschutzes einzuordnen.


Deltamethrin: Wirkung als Pyrethroid


Deltamethrin gehört zur Wirkstoffgruppe der Pyrethroide. Die Insecticide Resistance Action Committee (IRAC) ordnet Deltamethrin der Gruppe 3A zu. Der Wirkstoff beeinflusst spannungsabhängige Natriumkanäle im Nervensystem von Insekten.



Warum können Monate später noch lebende Käfer gefunden werden?


Ein späterer Fund lebender Vorratsschädlinge ist fachlich zu bewerten und lässt sich nicht automatisch mit einem vollständigen Wirkstoffabbau erklären. Mehrere Faktoren können gleichzeitig eine Rolle spielen:


  • unterschiedliche Empfindlichkeit verschiedener Schädlingsarten und Populationen

  • unterschiedliche Expositionsdauer gegenüber behandelten Kornoberflächen

  • inhomogene Verteilung innerhalb der Getreidepartie

  • Entwicklungsstadien, die zum Zeitpunkt der Behandlung geschützt im Korn lagen

  • spätere Neueinschleppung aus Fördertechnik, Restmengen oder unbehandelten Partien

  • verminderte Empfindlichkeit oder Resistenz einzelner Populationen


Eine Studie aus dem Journal of Economic Entomology zeigt, dass sowohl die Expositionsdauer als auch der Anteil behandelter Körner die Wirkung von Deltamethrin gegen verschiedene Vorratsschädlinge beeinflussen können.


Auch Untersuchungen an verschiedenen Feldpopulationen zeigen deutliche Unterschiede in der Empfindlichkeit gegenüber Vorratsschutzinsektiziden.


Homogene Behandlung ist ein Qualitätsfaktor


Bei einer Förderstrombehandlung ist nicht allein die Wahl des Wirkstoffs entscheidend. Die technische Ausführung muss sicherstellen, dass die vorgesehene Warenmenge reproduzierbar und möglichst gleichmäßig behandelt wird. Schwankungen im Warenstrom, unzureichende Durchmischung oder unbehandelte Teilmengen können die Gesamtwirkung beeinflussen.


Eine weitere Untersuchung zur Teilbehandlung von Mais zeigt, dass die räumliche Verteilung des behandelten Anteils innerhalb einer Getreidemasse einen erheblichen Einfluss auf die Schädlingskontrolle haben kann.


Zulassung und Produktauswahl


PGS setzt ausschließlich Mittel und Verfahren ein, die zum Zeitpunkt der Anwendung für den konkreten Verwendungszweck rechtlich zulässig sind. Maßgeblich sind die aktuelle Zulassung, das Produktetikett und die verbindlichen Anwendungsbestimmungen. Ältere Produktinformationen oder frühere Zulassungsstände sind keine Grundlage für einen aktuellen Einsatz.


Das BVL führt beispielsweise für K-Obiol ULV6 einen aktuellen Datensatz mit dem Wirkstoff Deltamethrin und der IRAC-Gruppe 3A. Der Zulassungsstatus muss vor jedem Einsatz erneut geprüft werden.


Förderstrombehandlung als Teil des Integrated Pest Management


Eine fachgerechte Behandlung ist kein Ersatz für Lagerhygiene, Befallsquellenbeseitigung oder Monitoring. PGS betrachtet Vorratsschutz deshalb grundsätzlich als Integrated Pest Management (IPM). Vor einer Maßnahme werden Schädlingsart, Befallsstärke, Eintragswege, Fördertechnik, Lagerbedingungen und vorhandene Befallsreservoire bewertet.


  • sichere Schädlingsbestimmung und Befallsbewertung

  • Bewertung von Lager- und Fördertechnik

  • Reduzierung von Restmengen, Staub und Rückzugsbereichen

  • Auswahl eines rechtlich und fachlich geeigneten Verfahrens

  • nachvollziehbare Dokumentation der Maßnahme

  • Monitoring und Trendbewertung nach der Behandlung

  • Eskalation bei kritischen Befunden oder unzureichender Wirkung


Dokumentation bei PGS


PGS dokumentiert Einsätze und Jobs im System HYGiTEC. Befunde, Maßnahmen, eingesetzte Mittel, relevante Abweichungen und Empfehlungen werden dort nachvollziehbar erfasst. Kritische Befunde und Eskalationen werden zusätzlich per E-Mail an den verantwortlichen Ansprechpartner des Kunden übermittelt. Bei unmittelbar notwendigem Handlungsbedarf erfolgt zusätzlich eine telefonische Information mit anschließender schriftlicher Bestätigung.


Was PGS bei einem späteren Käferfund prüft


  • Welche Schädlingsart wurde gefunden?

  • Handelt es sich um adulte Tiere oder um frisch geschlüpfte Tiere?

  • Ist die Herkunft aus der behandelten Partie eindeutig?

  • Gab es unbehandelte Beimischungen oder spätere Umlagerungen?

  • Gibt es Befallsreservoire in Fördertechnik oder Lagerbereichen?

  • Wie hat sich das Monitoring seit der Behandlung entwickelt?

  • Ist eine verminderte Empfindlichkeit der Population denkbar?

  • Ist ein anderes oder ergänzendes Bekämpfungsverfahren fachlich sinnvoll?


Für welche Betriebe ist das Thema relevant?


Die Förderstrombehandlung und der professionelle Vorratsschutz sind insbesondere für Landhandel, Mälzereien, Mühlen, Silobetriebe, Agrarbetriebe, Futtermittelunternehmen, Lagerhäuser und Lebensmittelbetriebe relevant. PGS verbindet dabei praktische Vorratsschutzerfahrung mit Monitoring, IPM, technischer Bewertung und auditfähiger Dokumentation.


Weiterführende Quellen



Hinweis: Diese Seite dient der fachlichen Information. Vor jeder Anwendung gelten ausschließlich die zum Einsatzzeitpunkt gültigen Zulassungen, Produktkennzeichnungen und betrieblichen Anforderungen.

 
 
 

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