Schädlingslexikon für Betriebe und Sammlungen
Das Lexikon hilft, Schädlingsarten, typische Spuren, gefährdete Materialien und sinnvolle nächste Schritte einzuordnen; eine sichere Bewertung erfordert Artbestimmung und Befallsanalyse.
Strukturiertes Wissen für die Lebensmittelwirtschaft, Landwirtschaft und Industrie zur Sicherung von Produktionsketten.
Gezielte Identifikation von Risiken für Museen, Archive und historische Sammlungen zum Schutz unwiederbringlicher Unikate.
Fundierte Entscheidungsgrundlage für Lagerumgebungen und Depots in ganz Norddeutschland zur Vermeidung von Materialschäden.

Nager
Rattus norvegicus: Sichtungen, Kot, Nagespuren, Baue und Laufwege werden gemeinsam bewertet. Nahrung, Abfälle und Zugänge begünstigen Befall. Ein einzelner Fund zeigt noch nicht dessen Umfang.
- Kotballen
- Nagespuren
- Laufwege (Schmiergänge)
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Mus musculus: Nahrung und geschützte Nistplätze ermöglichen Befall in Gebäuden. Kot, Fraßspuren und Nestmaterial gemeinsam beurteilen. Nicht jedes kleine Nagetier ist eine Hausmaus; Artbestimmung geht der Maßnahmenwahl voraus.
- Spindelförmiger Kot
- Nestmaterial
- Uringeruch
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Vorrats- und Produkt-Schädlinge
Sitophilus granarius: etwa 2,5–5 mm langer, nicht flugfähiger Rüsselkäfer. Larven entwickeln sich verborgen im Getreidekorn. Ein äußerlich unauffälliges Korn kann befallen sein. In Museen sind Samen und historische Lebensmittelobjekte relevant.
- Schlupflöcher im Korn
- Ausgehöhlte Körner
- Lebende Käfer
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Tribolium-Arten sind sekundäre Vorratsschädlinge an Mehl und beschädigtem Getreide. Der Rotbraune Reismehlkäfer hat eine dreigliedrige Fühlerkeule. Verwechslungen mit verwandten Arten und Splintholzkäfern sind möglich.
- Käfer und Larven im Produkt
- Verunreinigungen
- Geruchs- und Farbveränderungen
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Getreideplattkäfer
Oryzaephilus surinamensis: 2,5–3,5 mm langer, schmaler Käfer mit je sechs Zähnchen seitlich am Halsschild. Befällt Getreideprodukte und weitere Vorräte. Die Artbestimmung ist wichtiger als unspezifische Wärme- oder Feuchteanzeichen.
- Käfer und Larven in Vorräten
- Verunreinigungen
- Wärme- und Feuchteherde bei starkem Befall
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Plodia interpunctella: Die Larven fressen an trockenen Vorräten und bilden Gespinste. Zur Verpuppung können sie die Nahrungsquelle verlassen. Pheromonfallen unterstützen das Monitoring, ersetzen aber nicht die Suche nach befallenen Produkten.
- Weiße Gespinste
- Verpuppungen
- Fliegende Falter
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Holz- und Museumsschädlinge
Brotkäfer
Stegobium paniceum entwickelt sich an unterschiedlichen trockenen Materialien. In Sammlungen sind auch stärkehaltige Verleimungen, Bücher und Herbarien gefährdet. Fundtiere und Material gemeinsam prüfen; nicht jeder kleine braune Käfer ist ein Holzschädling.
- Kleine Bohrlöcher
- Fraßstaub
- Einzelne Käfer
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Anobium punctatum: 3–5 mm langer brauner Käfer mit kapuzenartigem Halsschild. Die Larven schädigen Holz über mehrere Jahre. Alte Ausfluglöcher allein beweisen keinen aktiven Befall.
- Kreisrunde Löcher
- Holzmehlhäufchen
- Strukturschäden
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Lyctus-Arten entwickeln sich im stärkehaltigen Splintholz geeigneter Laubhölzer. Auch neue Rahmen und Transportkisten können betroffen sein. Typisch sind feines Bohrmehl und runde Ausfluglöcher; Art und Aktivität müssen bestimmt werden.
- Runde Ausfluglöcher
- Feines, puderartiges Bohrmehl
- Fraßgänge im Splintholz
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Teppichkäfer
Verschiedene Speckkäfer, darunter Anthrenus-Arten: Larven können Wolle, Felle, Federn und Präparate schädigen. Erwachsene Käfer mancher Arten sind Blütenbesucher. Larvenhäute, Fundort und neue Schäden gemeinsam bewerten.
- Lochfraß
- Pfeilhaare
- Larvenexuvien
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Hygiene- und Materialschädlinge
Blattella germanica: Hellbraune Schabe mit zwei dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild. Warme Verstecke nahe Nahrung und Feuchte sind relevant. Von zufällig eingewanderten Waldschaben unterscheiden; bestätigten Befall zeitnah fachlich bewerten.
- Kotspuren (Pünktchen)
- Eikapseln
- Häutungsreste
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Kleidermotte
Tineola bisselliella: Die Larven schädigen tierische Fasern, etwa Wolle, Felle und Federn. Sie bauen am Untergrund befestigte Gespinströhren. Tragbare Larvenköcher sind dagegen für die Pelzmotte charakteristisch.
-
Unregelmäßiger Fraß
-
Kotkrümel
-
Am Untergrund befestigte Gespinströhren
Bewertung nur nach individueller Befallsanalyse
Spezialisierte Schutzbereiche

Systematik & Digitale Dokumentation
Monitoring dokumentiert Art, Anzahl, Fundort, Kontrollzeitraum und Maßnahmen. Wiederholte Befunde helfen, Veränderungen einzuordnen. Eine leere Falle beweist keine Schädlingsfreiheit. Die Bewertung verbindet Kontrolldaten mit Warenwegen, Gebäudezustand und den gefährdeten Materialien.

Normen & Partnerschaft
In enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen vor Ort binden wir aktuelle Normen und fachliche Leitfäden in das Pest Management ein. Dieser methodische Rahmen ermöglicht ein objektadäquates Handeln ohne pauschale Garantieversprechen, stets orientiert an der individuellen Befallssituation.
Befund fachlich prüfen lassen
PGS ordnet vorhandene Fotos, Proben und Dokumentationen aus Betrieben und Sammlungen fachlich ein und empfiehlt auf dieser Basis die nächsten systemischen Schritte. Bitte beachten Sie, dass eine abschließende Bewertung erst nach einer individuellen Befallsanalyse vor Ort erfolgen kann.
Artenfotos zur Orientierung

Gemeiner Nagekäfer (Anobium punctatum).
Foto: Siga, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Brauner Splintholzkäfer (Lyctus brunneus).
Foto: Malte Jörn Krafft; Bearbeitung: Hic et nunc, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Kornkäfer (Sitophilus granarius).
Foto: Francisco Welter-Schultes, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

